Was kommt?
Der Aachener Geschichtsverein e.V. bietet Ihnen mit Vorträgen und Exkursionen unterschiedlicher Länge von und mit Expert*innen regelmäßig Gelegenheit zu Streifzügen durch die Aachener Stadtgeschichte. Termine, Orte und Teilnahmemodalitäten des aktuellen Sommer- bzw. Winterprogrammes finden Sie hier – ebenso wie Hinweise auf weitere stadthistorisch interessante Veranstaltungen in der Region.
Heute wäre die Erkrankung Rolfs an Schizophrenie medikamentös therapier- oder sogar heilbar. Rolf, der einzige Sohn des Altrektors Prof. August Hertwig und seiner Frau Eta, studierte in den 30er Jahren Mathematik und Physik mit dem Ziel einer Promotion an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. Seine sich verschlimmernde Erkrankung führte ohne Abstimmung mit den Eltern zur Einweisung in die geschlossene Heilanstalt in Breslau. Am 21. Mai 1941 teilte die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg Herrn Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Ing. A. Hertwig auf seine Anfrage vom 16.5.1941 mit, dass die Urne des Sohnes bis Anfang Juni bei der Ortspolizeibehörde Bernburg-Gröna aufbewahrt werde. Erbschaftsregelungen im Jahre 1950 erforderten die Beibringung einer Todesurkunde des Sohnes als gesetzlichen Erben. Es ließ sich aber nur eine Bescheinigung des Friedhofsamtes Berlin-Wilmersdorf beibringen, dass der am 12.5.1941 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) „an Blutvergiftung verstorbene“ Student Rolf Hertwig dort am 2.7.1941 bestattet worden sei. Die Sterbeurkunde wurde erst im Jahre 1981 nach einem Verfahren auf amtliche Todeserklärung vom Standesamt Berlin I erteilt.
Der Vortrag stellt zunächst das Leben der Familie in Aachen bis zum Ruf Prof. Hertwigs nach Berlin dar. Schwerpunkt ist das kurze Leben des am 17.1. 1905 in Aachen geborenen und in der Tötungsanstalt ermordeten Sohnes. Das behördliche Nachspiel bis zu endlichen Todeserklärung ist ein Beleg für den unwürdigen Umgang des Nachkriegsdeutschlands mit den Verbrechen der NS-Zeit.
Der öffentliche Vortrag von Dietmar Kottmann, Mitglied unseres Vorstandes, findet erst gegen 20.00 Uhr im Anschluss an die Mitgliederversammlung und die Vorstellung des endlich gedruckten Bandes 6 der Aachener Stadtgeschichte (René Rohrkamp und Frank Pohle, Das lange 19. Jahrhundert) statt.